{"id":54487,"date":"2023-11-23T11:54:40","date_gmt":"2023-11-23T10:54:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgamstetten.ac.at\/?p=54487"},"modified":"2023-11-27T12:08:36","modified_gmt":"2023-11-27T11:08:36","slug":"was-einmal-wirklich-war-bleibt-ewig-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgamstetten.ac.at\/index.php\/2023\/11\/23\/was-einmal-wirklich-war-bleibt-ewig-moeglich\/","title":{"rendered":"Was einmal wirklich war, bleibt ewig m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\"><\/style>\n<p><strong>Amstetten.<\/strong> Mit diesem Zitat aus dem 16ten Jahrhundert leitete <strong>Dir. Mag. Josef Spreitz<\/strong> das diesj\u00e4hrige <strong>Zeitzeugengespr\u00e4ch im BG\/BRG Amstetten<\/strong> ein. Es fand am Donnerstag, dem 23. November von 8:20 bis 10:20 statt und wurde von <strong>Frau Mag. Beatrice Freudenschu\u00df<\/strong> organisiert. Dabei erz\u00e4hlte <strong>Frau Judith Ribic, Zeitzeugin der 2. Generation<\/strong>, die Geschichte ihres Vaters Ernst Reiter, der als Bibelforscher (wie damals Jehovas Zeugen genannt wurden) nach 1600 Tagen im Konzentrationslager Flossenb\u00fcrg schwer traumatisiert nach Hause kam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schubkarre f\u00fcr die Schw\u00e4chsten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der ber\u00fchrende Vortrag der 69j\u00e4hrigen holte den Holocaust und seine grausamen Auswirkungen in die Jetztzeit. \u201eAus Fehlern lernt man\u201c, so Fr. Ribic \u201eaber h\u00e4tten wir wirklich aus der Geschichte gelernt, h\u00e4tten wir heute keine Kriege.\u201c Die rund 100 Sch\u00fclerInnen verfolgten aufmerksam den Erz\u00e4hlungen \u00fcber Ribics Vater, der Einzelhaft, Folter und Hunger durchlebte, nur weil er den Dienst mit der Waffe verweigerte. Ernst Reiter \u00fcberlebte alle Torturen ohne Verbitterung und Hass. Selbst den Todesmarsch am Ende des Krieges \u00fcberstand er. Die 23-k\u00f6pfige Gruppe der Bibelforscher mit dem Lila Winkel, der Ernst Reiter angeh\u00f6rte, hielt eisern zusammen und jeder opferte sich f\u00fcr den anderen auf. So organisierten sie sich eine Schubkarre, in die sie den jeweils Schw\u00e4chsten unter ihnen legten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wei\u00dfes Blatt \u2013 schwarzer Punkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser gelebte Zusammenhalt war eine der Lehren, die Tochter Judith f\u00fcr ihr Leben zog. Ihr Vater mahnte seine drei T\u00f6chter, mit allen Menschen gut auszukommen und das Positive zu sehen. Noch heute erinnert sie sich an das wei\u00dfe Blatt Papier mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Auf die Frage ihres Vaters, was sie denn sehe, wies sie auf den schwarzen Punkt hin. Ihr Vater lehrte sie, alle Menschen als ein wei\u00dfes Blatt Papier zu sehen, statt sich auf die Fehler, die jeder hat, zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eKEIN Brot \u2013 das ist hart!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr wichtig war dem Vater auch, mit Lebensmitteln nie verschwenderisch umzugehen. Im Lager gab es nur eine ungew\u00fcrzte Wassersuppe mit ungeputztem Gem\u00fcse. Im Winter war sie gefroren, im Sommer war das Gem\u00fcse verfault. Der Hunger war sein st\u00e4ndiger Begleiter. Als sie sich als Kinder einmal \u00fcber ein hartes Brot beschwerten, sagte er: \u201eKEIN Brot \u2013 das ist hart.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Botschaft kam an. Vier Sch\u00fclerInnen beschrieben direkt im Anschluss ihre Eindr\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Florian:<\/strong> \u201eDiese Geschichte \u00fcber den Holocaust ist echt schockierend. Gut, dass es jemand gibt, der dar\u00fcber berichtet. Mein Opa (83), der immer wieder davon erz\u00e4hlt, kann es gar nicht verstehen, wenn diese Gr\u00e4ueltaten geleugnet werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hana: <\/strong>\u201eMich haben die gezeichneten Bilder der KZ-H\u00e4ftlinge besonders beeindruckt. Ich m\u00f6chte in Zukunft mithelfen, Mobbing und Ausgrenzung zu vermeiden. Diese Zeit darf sich nicht wiederholen. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich mit Lebensmitteln bewusster umgehen, denn KEIN Brot ist hart.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johanna:<\/strong> \u201eWir haben im Geschichtsunterricht schon vieles durchgenommen. Aber so detailgetreu habe ich noch keine Lebensgeschichte geh\u00f6rt. Das hat mich emotional wirklich ber\u00fchrt. Ich bewundere Fr. Ribic f\u00fcr ihren Mut und f\u00fcr ihre Nerven, die Geschichte ihres Vaters immer wieder zu erz\u00e4hlen. Wir sollten wirklich dankbar sein, in einem Land ohne Krieg zu leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Moritz:<\/strong> \u201eDas ist ein unglaublich trauriges Thema. Gut, wenn dar\u00fcber berichtet wird. Ich m\u00f6chte dieses Zeitzeugengespr\u00e4ch als Anlass nehmen, mit meiner Gro\u00dftante und mit meinem Gro\u00dfonkel \u00f6fter dar\u00fcber zu reden. Ich m\u00f6chte mehr \u00fcber diese Zeit wissen, denn wer gut informiert ist, kann eine Gesinnung wie damals verhindern.\u201c Das Zeitzeugengespr\u00e4ch endete mit dem Satz: \u201eStell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.\u201c Diese Perspektive machte Mut. Man sp\u00fcrte die Entschlossenheit, die Geschichte nicht wiederholen zu wollen und \u2013 so schloss sich der Kreis \u2013 aus Fehlern doch zu lernen. Dann w\u00e4re das, was einmal war, tats\u00e4chlich nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fotolegende von links nach rechts: <\/strong>Florian Asb\u00f6ck-Palfi, Mag. Beatrice Freudenschu\u00df, Moritz Brandstetter, Esther D\u00fcrnberger, Judith Ribic, Hana Hradelova, Dir. Mag. Josef Spreitz und Johanna Groi\u00df\u00a0(Foto: FMZ)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amstetten. Mit diesem Zitat aus dem 16ten Jahrhundert leitete Dir. Mag. Josef Spreitz das diesj\u00e4hrige Zeitzeugengespr\u00e4ch im BG\/BRG Amstetten ein. Es fand am Donnerstag, dem 23. November von 8:20 bis 10:20 statt und wurde von Frau Mag. Beatrice Freudenschu\u00df organisiert. Dabei erz\u00e4hlte Frau Judith Ribic, Zeitzeugin der 2. 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